Ein ungewöhnlicher Abend zwischen Satire, Selbstbefragung und stillen Nachklängen.

Es war ein Abschied in vielerlei Hinsicht: Von Denkmustern, von Erwartungen. Vielleicht auch von der, an einem Kabarettabend zum befreienden kollektiven Lachen geladen zu sein. Christine Prayon, die sich mit ihrem zweiten Soloprogramm schon seit sechs Jahren „verabschiedet“, hat uns im MKC einen Abend geschenkt, der weit über das übliche Kabarett hinausgeht. Und deshalb vielleicht auch provoziert, irritiert. Mit ihrer „Abschiedstour“ stellte sie Fragen, die uns auch als Veranstalter umtreiben: Was kann Kabarett noch leisten, wenn Satire von der Realität ständig überholt wird? Wie lacht man über Engstirnigkeit, Vorurteile und Denkblasen, wenn sie uns täglich begegnen? Christine Prayon suchte keine schnellen Pointen, ließ uns an Denkwegen teilhaben. Sie sprach über Politik, Kunst und die Möglichkeit, als Einzelne/r wirksam zu sein – leise, ernsthaft, zwischen Zweifel und Hoffnung. Selten wurde im Saal so wenig gelacht. Stellenweise mehr Theatermonolog als Kabarett, handwerklich brillant vor allem in den Persiflagen. Nach dem Auftritt wurde weitergeredet: Miteinander und mit der Künstlerin, die auch im Dialog noch einmal bereitwillig erklärte, warum sie nach mehr als elf Jahren nicht mehr als „Birte Schneider“ in der „heute show“ zu sehen ist – eine Rolle, aus der sie wohl die meisten der Besucher kannten. Die Gründe decken sich mit ihren Fragen zu Sinnhaftigkeit und Ziel von Satire, Kabarett und Medien.